Ostara

Ostern kennt wohl ziemlich jeder in unseren Breitengraden. Der nicht-christliche Teil des Festes ist in der Auffassung vieler moderner Paganen in der germanischen Mythologie zu finden…. wo übrigens auch der Hase als Symbol für Fruchtbarkeit seinen Ursprung haben soll. Als Sonnenfest entspricht Ostara astronomisch dem Frühjahrs-Äquinoktium, der Tag-und-Nacht-Gleiche und fällt damit auf den 21.03. eines Jahres . Übertragen auf einen bio-psycho-sozialen Jahreszyklus kann Ostara als ein Übergang in eine Zeit des Aktionismus gedeutet werden: Die Tage sind von nun an länger als die Nächte und die Temperaturen steigen. Und unser Organismus durchlebt jetzt dasselbe wie die uns umgebende Natur… Der Frühling beginnt.

Unser Ostara

Wir begehen Ostara (oder auch Lenzwende) als Fest des Frühlings um die Tag-und-Nacht-Gleiche am 21.03. eines Jahres. Nachdem wir zu Imbolc die Lasten des Winters vertrieben haben, können wir uns nun der hellen Jahreshälfte zuwenden. Ostara symbolisiert dabei den Start, das Erwachen neuer Lebensenergie. Das Fundament für unsere Gemeinschaft zu Ostara bildet dabei der „Optimismus“. Wir verstehen diesen Begriff als

  • eine positive Selbstwahrnehmung die sich aus dem Erleben positiver Ereignisse speist (attribuierter Optimismus).
  • Tendenz zu einer positiven Zukunftserwartung, die das eigene Handeln mitbestimmt (dispositioneller Optimismus)

Bei Albert Schweitzer ist Optimismus „diejenige Weltanschauung, die das Sein höher als das Nichts stellt und so die Welt und das Leben als etwas an sich Wertvolles bejaht.“(1)

Geschichte

In paganen Kreisen wird Ostara häufig als germanisches Fest betrachtet, das durch die Christianisierung im Mittelalter in das Osterfest des Christentums überführt worden sei. Diese Auffassung gründet auf einem Text des Mönches Beda Venerabilis, der im 8. Jahrhundert n.u.Z. etymologische Betrachtungen der Monatsnamen anstellte. Hier erwähnt er eine Göttin namens „Eostre“ welcher der „Eostur-Monath“ (Ostermonat=April) seinen Namen verdankt haben soll (2).

Doch erst im 19. Jahrhundert gewinnt die Definition an Popularität, als Jacob Grimm diese Quelle in seinem „Deutschen Wörterbuch“ aufgreift.

„auf diese ‚Eostre‘, die vielleicht nur eine erfindung BEDAS ist, stützt sich die gemutmaszte deutsche frühlingsgöttin Ôstarâ, deren fest in dem nach ihr benannten april gefeiert und dann für das christliche auferstehungsfest angewandt worden sein soll. sicher ist nur, dasz das zu grunde liegende altgerman. ‚austrô‘ von ‚aust‘ (‚ost‘) abgeleitet … ist, so dasz der begriff der morgenröte, des aufsteigenden tageslichtes zunächst auf die zeit des wiedererwachens der natur, des frühlings, sodann auf das in dieser zeit stattfindende christliche auferstehungsfest (auch aufs paschafest), nach welchem Karl d. grosze den april benannt hat (ôstermânôth), übertragen worden ist.“ (3)

Obwohl Grimm die Definition von Beda anzweifelt, wird Ostara ab der Spätromantik (im 19. Jahrhundert) zu einem Etikett des Germanenmythos und die vermeintliche „Ostara“ wird von der Deutschtümelei erfasst. Die Entwicklung gipfelt darin, dass „Ostara“ zum Titel einer rassistischen Zeitschrift wird, die der Ariosoph Adolf Joseph Lanz zu Beginn des 20. Jahrhunderts herausgibt. Hier wird der Begriff für eine lebensfeindliche Ideologie missbraucht.

Eine Neudeutung findet Ostara schließlich in den naturspirituellen Bewegungen ab den 60er Jahren, die sich bis heute fortsetzt und welche die Attribute eines lebensbejahenden Frühlings in den Mittelpunkt stellt.

Kulturvergleich

In Japan feiert man zur Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche den Frühlingsanfang mit einem Fest namens 春分の日 shunbun no hi (4). Shunbun no hi geht wohl zurück auf die Meiji-Zeit (1868-1912). Erst 1948 als staatlicher Feiertag eingeführt (5) soll an dem Tag das Erblühen der Natur gefeiert werden. Eng damit zusammen hängt eines der bekanntesten japanischen Feste, das Fest der Kirschblüte (Sakura), das Menschen mit Freunden und Verwandten zum gemeinsamen Picknicken treibt, solange die Kirschblüte vor Ort dauert.

Das persische Nouruz-Fest oder Newroz wird ebenfalls zum Äquinoktium begangen, allerdings steht es symbolisch für den Beginn der neuen Jahres. Bei uns in Deutschland kann man an diesem Abend manchmal bei Kurden sehen, die sich um ein Feuer versammeln. Manche springen drüber.(6)

Bei den Christen wird Ostern irgendwann zwischen dem 22.März und dem 25.April gefeiert. Das Fest steht für die Auferstehung von Jesus Christus, nachdem er seinen Tod durch die Kreuzigung fand. Auch hier findet sich das Thema des neuen Aufbruchs, das wir in unserer Gruppe mit Ostara assoziieren, wieder.

Die Druiden nennen das Frühjahrs-Äquinoktium „Alban Eilir“, was „Licht der Erde“ bedeuten soll. Hier werden positive Assoziationen mit dem Frühling gefeiert. Im Kontext des im Druidentum ritualisierten Jahreskreises ist dieses Fest dem Osten gewidmet, wo die Sonne aufgeht.

Im Judentum feiert man das Pessach-Fest, das vom 15. bis 22. März dauert und das an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei erinnern soll.

Media

Fußnoten
  1. Schweitzer, Albert: Verfall und Wiederaufbau der Kultur. 12., unveränd. Aufl., München: Beck, 1955. S. 58
  2. vgl.: Beda Venerabilis: De Temporum Ratione. CAPUT XV. De mensibus Anglorum. http://www.nabkal.de/beda/beda_15.htmlnebst Übersetzung mit Google-Translator
  3. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21
  4. Quelle: wikipedia
  5. das gab es eine Feiertagsreform
  6. Es scheint, als ob Nouruz hierzulande auch mit politischen Absichten begangen wird, und zwar mit dem Leitspruch: „Freiheit für Kurdistan“.