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Beltane

Beltane (1) ist ein Mondfest, das wir auf die Nacht in den ersten Mai und am 1.5. feiern. Der Frühling ist voll im Gange und die nun kommende, helle Jahreshälfte darf in diesem Sinne eingeleitet werden.

Unser Beltaine

Das Leitmotiv unseres Beltaine ist die ungestüme Lebensenergie. Wenn wir den Jahreszyklus der Natur auf ein menschliches Leben abbilden, könnte man Beltaine mit der späten Pubertät und dem Übergang in die Adoleszenz vergleichen. Der menschliche Organismus steckt dann voller Energie, die oft nicht zielgerichtet genutzt werden kann. Man handelt fast ausschließlich „aus dem Bauch heraus“ . Der Kopf hat (noch) Sendepause. Daher gestalten wir unser Ritual so, dass Impulsivität und Lebenskraft ihren freien Raum zur Entfaltung erhalten.

Geschichte

Das von vielen neuheidnischen Strömungen gefeierte Beltaine geht zurück auf die Kelten, die das Fest vermutlich als Fest des Lichtes und des Sommeranfangs gefeiert haben. Die Keltologen Le Roux und Guyonvarc’h vermuten, dass es sich um ein Fest des Priesterstandes gehandelt haben mag und erwähnen, dass in keltischen Geschichten sowohl der erste Siedler Irlands als auch die keltischen Götter im Mai auf der Insel angekommen sind (2).

Hinweis: Die Etymologie des Begriffes „Beltaine“ ist ungeklärt, wobei das keltische Wort ‚bel‚ soviel wie ‚leuchten‘ oder ‚glänzen‘ bedeutet. Eine direkte Verbindung von Beltaine zum vermuteten keltischen Gott Belenus ist strittig, wenngleich dieser Gott von der römischen Geschichtsschreibung mit Apollon, dem Gott des Lichts und des Frühlings gleichgesetzt wurde. (3)

Das bekannteste Beltaine-Ritual findet sich im Sanas Cormaic, einem etymologischen Glossar aus dem 9.Jhd. n.u.Z.

„Belteine, das Feuer Bels, die heilbringende Flamme ist ein Feuer, welches die Druiden durch ihre Magie oder ihre großen Zaubergesänge machten; man brachte jährlich die Herden gegen Epidemien zu diesen Feuern. Sie ließen die Herden zwischen Ihnen hindurchschreiten.“

LeRoux/Guyonvarc’h(4)

Im Rahmen der Christianisierung Irlands kommt es mit dem Heiligen Patrick zu einer Überlagerung des Feuerbrauchs durch das Osterfeuer. Das von christlichen Geschichtsschreibern entworfene Bild, Beltaine entspreche dem christlichen Ostern, gilt heute als widerlegt (5) – stattdessen vermutet man hinter Beltaine zum 1. Mai ein Fest des Sommeranfangs.

Im deutschsprachigen Raum etabliert sich im Mittelalter die sogenannte Walpurgisnacht am 30. April, die ursprünglich als Nachtgebet für die christliche Missionarin und Heilige Walburga (6) veranstaltet wurde. Mit dem Aufkommen der Hexentheorie im Spätmittelalter entstand die Vorstellung, dass sich in der Nacht auf den 1. Mai Hexen zum frivolen/satanischen Tanz treffen. In Goethes Faust erhält eine solche Hexenfeier einen prominenten Platz im ersten Akt. Im Wörterbuch von Jacob Grimm wird das Verb „walpern“ aufgelistet als: „als Hexe mit anderen Hexen tanzen(7).

Wieder zurück nach Irland: Um die Jahrhundertwende von 1900 lässt sich der Dichter William Butler Yeats bei seinen Werken von der irischen Mythologie inspirieren. Im Zuge einer von ihm ins Leben gerufenen Theatereröffnung erscheint seine begleitende Flugschrift, die den Namen „Belteine“ trägt. Dies wird einige Jahre später in „Samhain“ umbenannt. Yeats nutzt die irische Mythologie hierbei in seiner Rolle Nationalist, der sich gegen den Kolonialismus und Imperialismus der englischen Krone positioniert. Sein Ziel ist die Bildung einer nationalen irischen Identität. (8)

Kulturvergleich

Bei den germanisch orientierten Heiden wird manchmal das sogenannte Siegesfest , das Sigrblót mit Beltane gleichgesetzt; Quellenrecherchen führen aber ins Leere (9).

Media


Fußnoten
  1. unterschiedliche Schreibweisen sind zum Beispiel: Belteine, Beltane, Beltain, Beltaine
  2. Le Roux, Françoise, und Christian-J Guyonvarc’h. Les fêtes celtiques, 2015.
  3. Maier, Bernhard. Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Stuttgart: Kröner, 2019.
  4. Le Roux, Françoise, und Christian-J Guyonvarc’h. Les fêtes celtiques, 2015.
  5. vgl. Armao, Frédéric. „De Beltaine à Pâques“. Études irlandaises 27, Nr. 2 (2002): 29–43. https://doi.org/10.3406/irlan.2002.1632.
  6. sie hat im 8. Jahrhundert n.u.Z. wesentlich zur Christianisierung des heutigen Norddeutschland und Dänemarks beigetragen
  7. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21
  8. vgl. Armao, Frédéric. „From Yeats to Friel: Irish Mythology through Arts and Science in the 20th century“. Etudes Irlandaises, Nr. 41–1 (2016).
  9. lediglich der Mitgründer eines deutschen heidnischen Vereins (Germanische Glaubensgemeinschaft) lässt beide Feste zusammenfallen