Imbolc

Imbolc findet in einer Jahreszeit statt, die von tristen Tagen geprägt ist. Kurz bevor der Frühling einkehrt, scheinen die Reserven des Winters aufgebraucht zu sein und das persönliche Gemüt ist beschwert. Die dunkle Jahreszeit neigt sich dem Ende auch wenn die Natur unserer Wahrnehmung nach noch tief in der Stille des Winters festzustecken scheint. Einerseits neigt unser menschlicher Organismus zur Lethargie, wenn wir noch keine Zeichen des nahenden Frühlings wahrnehmen, andererseits wissen wir, dass es bald anders kommen wird.

Imbolc kann hier als ein Ritual der Klärung und Reinigung verstanden werden, zur Vorbereitung auf die Energie, die der Frühling mit sich bringen wird. Das Fest kann dazu dienen, die Lasten der dunklen Jahreszeit loszuwerden, um dem Neuen platz zu machen.

Unser Imbolc

Da Imbolc ein Mondfest ist, kann es zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden. Häufig wird es am 1. Februar gefeiert. Für unsere Gruppe ist Imbolc das einzige Fest des Jahreskreises, das wir am Mond ausrichten. Diese Datums-Dynamik ist ein symbolischer Antagonist zu unserer Gemütsverfassung in diesen Tagen. Wir haben uns dafür entschieden, Imbolc auf den dritten Vollmond, der auf den letzten Neumond vor Yule folgt, zu legen (1).

An unserem Feuer sinnieren wir über den Morast, die sich in der letzten Zeit in uns angehäuft hat und zelebrieren die Reinigung. Thematisch und rituell geht es ums Entrümpeln, um das Platz schaffen für das Kommende und um das Entleeren des dreckigen Putzeimers.

Geschichte

Im antiken Rom bezeichnete das sogenannte Lustrum ein Reinigungsritual, das alle fünf Jahre mit einem „Sühneopfer“ durchgeführt wurde. Der Begriff Lustration, der heute auch für das Entlassen von politisch belasteten Mitarbeitern steht, bezeichnet im religionswissenschaftlichen Kontext antike Reinigungsrituale (2). Das bekannteste Lustrum der römischen Antike ist die februa, ein Reinigungsfest anlässlich der Lupercalien, dem Hauptfest zu Ehren des Gottes Faunus. Dieses Fest ist der Namensgeber für unseren Monat.

Ein Brigids-Kreuz. Quelle: Wikimedia-Commons

Im Insel-Keltischen steht Imbolc für den Frühlingsbeginn des irischen Kalenders am 1.Februar (3). Quellen zu Imbolc-Ritualen aus der Zeit vor der Christianisierung sind bisher nicht entdeckt worden. Im Übergang zum Monotheismus taucht jedoch die Figur der heiligen Brigid auf, die im Mittelalter als Schutzherrin Irlands populär wird und die im Zentrum der Überzeugung einiger Keltologen steht, eine aus dem Keltischen in Christliche „hinübergerettete“ Figur zu sein. Ein mit dem Brigid-Mythos in Verbindung stehendes Ritual ist das sogenannte Brigids-Kreuz, eine aus Stroh geflochtene Swastika, die im bäuerlichen Kontext für eine ertragreiche Landwirtschaft hergestellt auf aufgehängt wurde (4).

Kulturvergleich

Im Christentum existiert das Fest „Mariä Lichtmess“, das bis 1969 auch „Mariä Reinigung“ hieß. Es steht in Verbindung mit einer Erzählung aus dem Lukas-Evangelium, wonach Maria 40 Tage nach Jesu‘ Geburt ein Reinigungsopfer in Form eines Lammes darbrachte. Darüber hinaus kann die Fastenzeit bis Ostern als Reinigungsritual für den kommenden Frühling interpretiert werden.

Im alpenländischen Raum gibt es verschiedene Bräuche, die sich mit dem Austreiben des Winters beschäftigen. Hier werden Feuerräder den Hang hinuntergerollt. Oder der Winter wird mit Peitschen vertrieben.

In China wird, meist im Februar, das Neujahrsfest gefeiert. Es orientiert sich am Neumond.

Rituale:

„Frühjahrsputz“: Wer möchte, kann die Zeit um Imbolc nutzen um sein zu Hause zu reinigen, aufzuräumen oder Dinge zu reparieren. Das Reinemachen und Entrümpeln im Außen sortiert uns im Inneren und schenkt Wohlbefinden und Leichtigkeit.

Termine:

  • 1. Februar 2019
  • 9. Februar 2020
  • 27. Februar 2021
  • 16. Februar 2022
  • 5. Februar 2023

Musik

Fußnoten
  1. manchmal ist der Termin damit deckungsgleich mit dem zweiten Vollmond nach Yule, manchmal aber auch nicht
  2. vgl.: Petersmann, Hubert. „Lustrum: Etymologie und Volksbrauch“. In: Würzburger Jahrbücher für die Alterturmswissenschaft, Bd. 9. (1983) 2015
  3. vgl. Maier, Bernhard. Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Stuttgart: Kröner, 2019.
  4. vgl. Le Roux, Françoise, und Christian-J Guyonvarc’h. Les fêtes celtiques, 2015