Samhain

Samhain kann als Fest des Abschieds und des Loslassens interpretiert werden. Mythologisch steht es, wie Beltane, für den Zeitpunkt, an dem die Grenzen zwischen Diesseits und „Anderswelt“ (in kelto-irischer Mythologie zu finden) verschwimmen. Demnach soll in dieser Nacht der Kontakt zu magischen Wesen, den Toten, Göttern möglich sein. Symbolisch kann man Samhain auch als Beginn der dunklen Jahreshälfte betrachten.

Le Roux / Guyonvarc’h(1) weisen darauf hin, dass Samhain zwar den Übergang in die dunkle Jahreszeit markiert, man aber aufgrund verschiedener historischer Texte davon ausgehen könne, dass es auch als Fest der Freude begangen wurde. Offenbar hing der Charakter des Fests auch vom Stande ab: während das Bauern-Samhain eher düster charakterisiert sei, markiere das Fest des Adels eine Nacht der Völlerei und Freude.

Unser Samhain

Samhain als Mondfest könnte wie andere Mondfeste im Bezug zu den Mondphasen berechnet werden. Beim genauen Zeitpunkt sind sich die Quellen uneins. In der Wikipedia hat ein Schreiberling den elften Neumond im Kalenderjahr markiert, was, bezieht man den Kalender von Coligny in die Betrachtungen ein, eher astrologischen Ursprungs sein dürfte. In unserer Gruppe haben wir unseren Festzeitpunkt auf die Nacht vom 31.10. auf den 01.11. gelegt. Dies hat drei Gründe:

  1. Es ist praktisch, weil in Deutschland am 01.11. ein Feiertag ist.
  2. In der Keltologie des frühen Mittelalters wird Samhain ebenfalls auf den 01.11. datiert.
  3. Es harmonisiert unseren Jahreskreis, indem es Beltane gegenübersteht. So fungieren Beltane und Samhain als zwei Seiten einer Münze in Jahreszyklus.

An unserem Feuer begehen wir Samain als Übergang in die dunkle Jahreszeit. Insofern verstehen wir Samhain als (1) Fest der Ernte und auch als (2) Ritual zum Übertritt in eine Zeit, in der wir uns mit unseren inneren Welten, Abschied, Stillstand, auseinandersetzen. Im Ritual greifen wir diese Themen auf. Zur Einstimmung kann man sich zum Beispiel mit folgenden Fragen beschäftigen:

Wofür bin ich dankbar, was ernte ich aus dem vergangenen Jahr?

Wovon möchte ich mich verabschieden?

Was lasse ich in der hellen Jahreszeit zurück, was lasse ich los?

Was nehme ich mit hinüber?

Womit werde ich mich in der dunklen Zeit auseinandersetzen (wollen/dürfen) ?

Kulturvergleich

Das Thema, das wir mit Samhain betrachten, gibt es in allen Kulturen der Welt. In Einigen gibt es sogar um denselben Zeitpunkt ein rituelles Begehen der Thematik. Auch wenn alle Feste sicherlich unterschiedliche Aufhänger und Ausgestaltungen haben, so ist es doch nicht zu übersehen, dass es einen gemeinsamen, thematischen Korridor zu geben scheint. Insofern ist ein historisches Ranking, welchem Fest nun „mehr Tradition“ zuzuschreiben ist, nicht notwendig.

Bei Christen begeht man am 01.November das Allerheiligen-Fest, das „aller Heiligen“ gedenkt. Am nächsten Tag gibt es noch das „Allerseelen“, an dem dann der Rest der verstorbenen Gläubigen gedacht werden kann.
In den USA ist Halloween ebenfalls ein Fest rund um das Thema und wird in der Nacht auf den 01.11. begangen. Hier findet das Thema „Abschied und Loslassen“ Eingang in die Popkultur. In Mexiko gibt es dann noch den sogenannten „Dio de los muertos“.

Ritual-Ideen für Zuhause

Der – in gewisser Weise düstere – Charakter dieses Festes hat sich bis heute gehalten und lebt seit einigen Jahren in Form des amerikanischen Halloween auch in unseren Gefilden neu auf. In manchen Gegenden Deutschlands gibt es übrigens auch den einheimischen Brauch, „Rübengeister“ zu schnitzen, die ebenfalls mit einem Licht versehen und vors Haus gestellt werden.

1. Der Köörbis

Einen Kürbis zu schnitzen, so wie es die Amerikaner machen, ist eine schöne Idee mit einem kontemplativen Charakter. Vom Entwurf bis zur Fertigstellung darf man sich von den Gedanken zum selbst gewählten Thema begleiten lassen. Darüber hinaus ist es eine schöne Vorstellung, dass ein vor die Tür gestellter, leuchtender Kürbis zu Samhain Geister anzieht, die man Willkommen heißt und Jene fern hält, die unerwünscht sind. Aber man darf auch nur einfach Spaß an der Freude haben.

2. Abschiedsritual DIY

Wenn Samhain das Fest des Abschieds ist und Yule ein Fest der dunkelsten Stunde und des ersten Lichts, der Hoffnung, dann mag die Zeit dazwischen eine Phase sein, in der das Loslassen vollzogen wird. Wer Lust hat, dies mit einem rituellen Schritt einzuleiten, dem gefällt vielleicht folgende Idee:

  1. In Vorbereitung auf Samhain überlegt man sich ein Thema, das mit einem persönlichen Loslassen zu tun hat. Zum Beispiel kann dies ein Abschied von einer Person sein, der Wunsch, einen aktuellen „Spuk“ loszuwerden oder auch das Aufgeben einer persönlichen Verhaltensweise.
  2. Während man mit Gedanken bei dem Thema ist, erstellt man ein „Symbol“, das diesen Gedanken repräsentiert. Man kann beispielsweise einen kleinen Text verfassen oder etwas basteln, was die eigenen Gedanken repräsentiert (Es sollte sich halt gut verbrennen lassen). Auch eine Sigille ist denkbar. Affirmation: Man kann nur etwas loslassen, das man vorher gehalten hat.
  3. Beim gemeinsamen Samhain-Feuer wird das Symbol dann den Flammen zugeführt, wobei es einem frei steht, ob man den Anwesenden etwas dazu sagen möchte, oder nicht. Wir wollen ja nicht dogmatisch sein 🙂
  4. Bis Yule behält man sich selbst und seinen Abschied im Blick
Fußnoten
  1. Le Roux, Françoise, und Christian-J Guyonvarc’h: Les fêtes celtiques, 2015