Enūma eliš

Die Enūma elis ist ein babylonischer Schöpfungsmythos, der irgendwann zwischen 2000 und 600 v.u.Z(1) entstanden ist.

Die Geschichte handelt von Apsû (=“der Uranfängliche“) und Tiamat (=“die alles gebahr“), die irgendwann beschließen, die Götter zu erschaffen. Einer dieser Götter, Ea, tötet Apsû irgendwann. Aber das scheint für die weitere Handlung weniger von Belang zu sein.
Ea hat aber auch einen Sohn namens Marduk. Marduk wiederum tötet später, nach erfolglosen Intrigen Tiamat. Er spaltet sie in zwei Teile und erschafft daraus Himmel und Erde. Dann erschafft er die Menschen aus dem Blut von Tiamats Gemahl und verpflichtet diese zum Treueschwur.

Tiamat

Der in vielen Kosmogonien bestehende Dualismus von männlichem und weiblichem Prinzip findet sich hier also wieder.

Apsû wird im Mythos als großes Meer beschrieben(2) und erhält in der Geschichte nur eine kleine Rolle, weil er durch dessen Nachfahren (Marduk) ersetzt wird. Als Inbegriff eines Vaters, den man heute als verantwortungslos bezeichnen würde, versuchte er, seine frisch gezeugten Kinder, die Götter, zu töten. Auslöser war, dass diese schreiend und tobend durch Tiamaks Zuhause schwadronierten und nicht damit aufhören wollten.

Apsû öffnete seinen Mund
und sagte mit lauter Stimme zu Tiamat:
„Ihr (der Götter) Verhalten bereitet mir Schmerzen,
Tagsüber habe ich keine ruhige Minute und nachts bekomme ich keinen Schlaf;
Ich werde sie also töten und ihrem Leben ein Ende setzen,
Dann ist Ruhe und wir können schlafen.“(3)

frei Übersetzt aus: Enūma Eliš. Tafel 1, Zeilen 35-40

Ich kenne das aus der Sozialarbeit mit Familien: Wenn die Eltern mit dem Verhalten der Kinder überfordert sind, werden die Kinder manchmal zu den Schuldigen abgestempelt (=dysfunktionales Coping). Bloß dumm, wenn die Kinder Götter sind und Einen abmurksen.

Tiamat erhält in der babylonischen Mythologie die Gestalt eines Meeres-Ungeheuers. Die Kulturwissenschaftler Gebrüder Böhme(4) weisen darauf hin, dass in diesem Mythos die für die Antike geläufige Transformation von maternalen zu paternalen Deutungsmustern in Erscheinung tritt: Die Mutter wird vom männlichen Nachfahren vom Throne gestoßen.

Funfact: Tiamat ist heute in der Pop-Kultur erhalten geblieben. Und zwar als fünfköpfiger Drache in dem Pen-and-Paper Rollenspiel Dungeons and Dragons.

Fußnoten
  1. vgl. Böhme, Gernot und Böhme, Hartmut: Feuer, Wasser, Erde, Luft. Eine Kulturgeschichte der Elemente. Verlag C.H. Beck. München. 2. Aufl. 2010
  2. University pf Pennsylvania: http://oracc.museum.upenn.edu/amgg/technicalterms/index.html#abzu
  3. frei von mir übersetzt aus einer englischen Übersetzung der Enūma Eliš: Heidel, Alexander: The Babylonian Genesis (PDF) (2nd ed.) University of Chicago Press. 1951
  4. vgl. Böhme, Gernot und Böhme, Hartmut: Feuer, Wasser, Erde, Luft. Eine Kulturgeschichte der Elemente. Verlag C.H. Beck. München. 2. Aufl. 2010

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