Aspekte KW51 und KW52

Paganismus, [14.12.20 15:45]
Hallo Leute,
vom Religionswissenschaftler Jan Assmann gibt es einen schönen und überschaubaren und online verfügbaren Text (1), der sich mit der Transformation des Poly- zum Monotheismus beschäftigt

Anhand verschiedener biblischer Quellen zeigt Assmann die argumentative Linie und die stilistischen Mittel auf, welche die Menschen zur Abkehr vom Heidentum bewegen sollten.

Außerdem wird bestätigt, dass es sich kutlturwissenschaftlich um eine allmähliche Entwicklung vom Poly- zum Monotheismus handelt.

Herzliche Grüße, Leuhton


Paganismus, [16.12.20 10:33]
Hallo Leute,

was ist der Unterschied zwischen Religiosität und Spiritualität (RS)?

Weil sich Viele mit dieser Frage beschäftigt haben, kann man sich nur annähern:

Religiosität bezeichnet die Übernahme spezifischer Glaubensvorstellungen, Rituale und Traditions-Systeme von organisierten Glaubensgemeinschaften.
Spiritualität umfasst die Suche nach dem Sinn und Zweck des Lebens, die Beantwortungen von wissenschaftlich nicht erklärbaren Fragen und die Konstruktion eines Weltbildes, das dem eigenen Leben Kohärenz verleiht. ZWINGMANN (2) bezeichnet Spiritualität als „subjektiv erlebten Sinnhorizont“ (S.218), der innerhalb und außerhalb von Religionsgemeinschaften vorkommen kann.

In meiner Zunft kann man die Begriffe synonym verwenden, wenn es um die Frage nach dem Wohlbefinden eines Menschen geht.
Hier ist eher entscheidend, in welchem Umfang die persönliche RS Mechanismen zur Stressbewältigung beinhaltet.

PARGAMENT (3) unterscheidet hier drei Stile der Stress-Bewältigung:

  • passiv (Verantwortung wird auf Gott übertragen. „Mir geht es schlecht und Gott lässt das zu.“)
  • kooperativ (Gott als Partner; „Wenn ich mich Jesus Christus öffne, dann wird er mir helfen“)
  • selbstverwaltend (Vertrauen in die eigene Kraft. Gott als Reflexionspartner; „Bin ich noch auf dem richtigen Kurs, entspricht mein Handeln meiner Person?“)

Herzliche Grüße, Leuhton


Paganismus, [17.12.20 09:34]
Hallo Leute,

Wenn Menschen uns ihr Leid klagen, kann es passieren, dass wir daraus ein Ziel – eine Problemlösung – ableiten. Dann kommen wir in Bewegung und bieten unsere vermeintliche Unterstützung an.

Dass die Hilfe vielleicht aus dem Ruder läuft, zeigt sich dann an Aussagen wie

  • „Sie muss sich doch nur von ihm trennen, warum macht sie es nicht?“
  • „Ich ärgere mich über dein Verhalten, weil es nicht zielführend ist“
  • „Jetzt nehme ich das in die Hand, sonst wird das nichts!“

Solche Gedanken und Sätze sind Warnsignale dafür, dass wir die Person, um die es eigentlich geht, aus den Augen verloren haben und wir uns unser eigenes Ziel gesteckt haben, das wir unbedingt erreichen wollen.

Das Recht, die eigenen Entscheidungen selbst treffen zu können, ist eine Macht, die es aus meiner Sicht zu würdigen gilt. Das beinhaltet eben auch, dass man nicht die Verantwortung für das Handeln anderer übernimmt.

Hierfür ein Mantra-Vorschlag:

Tu‘ etwas, was du nicht lassen kannst und lasse das, was du nicht tun kannst.

Herzliche Grüße, Leuhton


Paganismus, [19.12.20 16:17]
Hallo Leute,

heute gibt es Musik.


Paganismus, [22.12.20 12:02]
Hallo Leute,

Happy Yule. Zur Wintersonnenwende kann man die Dunkelheit durchaus mal annehmen, ohne sie fürchten zu müssen, schließlich werden die Tage nun wieder länger. Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Feuer oder werdet noch eines haben. Ein Kerzlein reicht ja auch.

Aus der Sprachwissenschaft:
Der Begriff „Yule“ stammt vermutlich vom altgermanischen ‚jehwla-‚ und bedeutet, so die Übersetzung, nichts anderes als „Julfest“ oder auch „Dezember+Januar“ (4). In der altenglischen (ae.) Enstsprechung ‚geohhol‚ finden sich verschiedene Variationen der Schreibweise, zum Beispiel das Adjektiv ‚geola‚. Interessanterweise bedeutet ae. ‚geolu‚ = ‚glänzen, schimmern, gelb, grau, grün, blau‘ (5).

Herzliche Grüße, Leuhton


Paganismus, [23.12.20 09:43]
Hallo Leute,

Forscher haben bei der Suche nach neuen Medikamenten gegen Bakterien und Keime gesucht und sind in einem mittelalterlichen Arzneibuch fündig geworden. In den anschließenden Tests konnte gezeigt werden, dass dieses Medikament („Bald’s eyesalve“) bestimmte Keime mit sehr hoher Treffsicherheit abtötet (6).

Es ist zwar nicht neu, dass auch alte Arznei noch heute wirksam eingesetzt werden kann. Das Besondere an diesem Medikament ist, dass es seine Wirksamkeit durch die Kombination von Wirkstoffen erhält, die für sich genommen nur wenig oder keinen Effekt auf die getesteten Keime haben (bei der Salbe handelt es sich um eine Mischung von Knoblauch, Zwiebeln, Wein und Ochsengalle).

Für mich ist das, wo ich es lese, irgendwie neu: Offenbar setzt die medizinische Forschung bislang ausschließlich darauf, Medikamente zu entwickeln, die auf der Kombination von wirksamen Einzelstoffen liegen. Somit wäre das tatsächlich ein Novum: Die Medizin wirkt erst, wenn sie richtig „gebraut“ wurde. Mit einem Lächeln denke ich da an Asterix, die Gummibären, Alchemie und Hexerei.

Herzliche Grüße, Leuhton

Fußnoten
  1. Assmann, Jan: Gott und die Götter. In: Palmer, Gesine (Hrsg.): Fragen nach dem einen Gott, Tübingen. 2007. S.29-51 Den Text gibt es als PDF online bei der Uni Heidelberg:
    http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1810/1/Assmann_Gott_und_die_Goetter_2007.pdf
  2. Zwingmann, C.: Spiritualität/Religiosität und das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität: Definitionsansätze, empirische Evidenz, Operationalisierungen. In: Zwingmann, C., Moosbrugger, H. (Hrsg.): Religiosität: Messverfahren und Studien zu Gesundheit und Lebensbewältigung. Neue Beiträge zur Religionspsychologie. Waxmann-Verlag. Münster: 2004
  3. Pargament, K. I. : Spiritually Integrated Psychotherapy: Understanding and Addres- sing the Sacred. Guilford Verlag. New York.2007
  4. Köbler, Gerhard, Germanisches Wörterbuch, (5.) 2014
  5. Köbler, Gerhard, Altenglisches Wörterbuch, (4.) 2014
  6. Anti-biofilm efficacy of a medieval treatment for bacterial infection requires the combination of multiple ingredients: https://doi.org/10.1038/s41598-020-69273-8

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