Februar und März 2022

Dokumentation meines Telegram-Kanals „Paganismus“.


Paganismus, [03.02.22 09:42]
Hallo Zusammen,
gestern habe ich mein Twitter-Experiment beendet: Jeden Tag habe ich morgens für 15 Minuten meinen Twitter-Feed gelesen. Diesen hatte ich aus politischen Organisationen und politischen Akteueren aus allen Richtungen zusammengestellt.
Und ich habe Kommentierungen gelesen und versucht zu kommentieren:

Mein Ergebnis: Ich bin immer mit Anspannung in den Tag gestartet. Irgendwie scheint es mir, als ob das Aufeinanderpoltern irgendwelcher kurzer Statements von teils Fremden Menschen sehr geeignet ist, ein solches Anspannungserleben zu verursachen. Jeder kann zu allem etwas sagen und die Gewichtung seiner Aussage hängt nicht unmittelbar mit seiner Kompetenz in diesem Thema zusammen, sondern mit dessen Reichweite.

Meine Erlebnisse habe ich gestern mit zwei Personen reflektiert. In beiden Fällen wurde ich darauf hingewiesen, dass man jetzt 240 und nicht mehr nur 160 Zeichen zur Verfügung hat. Das lässt mich heute schmunzeln.

Vielleicht bin ich die Sache falsch angegangen und hätte andere Themen wählen sollen, doch in jedem Fall steht für mich fest, dass ich die 15 Minuten am Morgen lieber anders nutze.

Herzliche Grüße,
Leuhton.

P.S.: nicht vergessen, es ist Imbolc-Zeit 😉


Paganismus, [16.02.22 23:20]
Hallo Zusammen,
ich wünsche Euch allen ein schönes Imbolc. Manche von Euch haben es vielleicht schon am 1. oder 2. Februar gefeiert. Andere wie unsere Gruppe nehmen den zweiten Vollmond im neuen Mondjahr, also heute. Wieder andere feiern es gar nicht oder kennen von den Christen „Maria Lichtmess“ oder sie bereiten sich auf die Fasnet vor.

Bei Imbolc geht es thematisch um eine Lustration – also eine Reinigung. Im Fall von Imbolc zelebrieren wir das Reinemachen. Wir entledigen uns der düsteren Elemente, die sich im Laufe des Winters auf unser Gemüt gelegt haben und schaffen auf diese Weise neuen Platz für das, was in der hellen Jahreszeit auf uns zukommt.

Der Name für den Monat Februar geht übrigens zurück auf die römische „Februa“, ein Lustrum (Reinigungsritual) anlässlich der sogenannten „Lupercalien“, die in diesem Zeitraum stattfanden (1).

Herzliche Grüße, Leuhton.

Musikvideo: Sowulo – Imbolc

Paganismus, [21.02.22 18:30]
Hallo Zusammen,

in meinem Beruf habe ich die Erfahrung gemacht, dass Spiritualität ein genauso bedeutendes Themenfeld für die Stabilisierung von Menschen sein kann wie biologische, psychologische, soziale und ökonomische Faktoren.

Der Psychologe Kenneth Pargament weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Spiritualitäts-inkludierte Klientenzentrierung die Erkundung der eigenen Spiritualität/ Religiosität voraussetzt (2).
Weiter definiert er vier Grundpfeiler für eine „spirituelle Professionalität“.

  • Selbstkonzept (Auseinandersetzen mit und Kennen der eigenen spirituellen Leitlinien)
  • Bildung (Wissen über die wesentlichen Aspekte des entgegenblickenden Glaubens)
  • Akzeptanz (Anerkennung der Vielfalt von Glaubensvorstellungen)
  • Authentizität (Rahmung der eigenen Person und Kongruenz mit der beruflichen Rolle)

Herzliche Grüße,
Leuhton


Paganismus, [19.03.22 12:23]
Hallo Zusammen,
dieses Wochenende feiern viele von Euch Ostara bzw. das Frühjahrs-Äquinoktium. Ich wünsche Euch allen einen guten Start in den Frühling.
Das astronomische Datum für die Tag-und-Nachtgleiche ist in unserer Region dieses Jahr: 20.03. um 16:33 Uhr.

Spirituell steht Ostara in unserem paganen Jahreskreis für den Osten, frischen Wind, einen Sonnenaufgang, den Frühling.
Psychologisch verbinden wir den Begriff mit dem Leitmotiv „Optimismus“. Wir verstehen Optimismus dabei unter anderem als eine positive Zukunftserwartung, die das persönliche Handeln in der Gegenwart mitbestimmt.

Albert Schweitzer definiert Optimismus als „diejenige Weltanschauung, die das Sein höher als das Nichts stellt und so die Welt und das Leben als etwas an sich Wertvolles bejaht.“ (3)

Herzliche Grüße,
Leuhton


Paganismus, [31.03.22 13:27]
Hallo Zusammen,
heute möchte ich mit Euch ein Zitat von Viktor Frankl zur Willensfreiheit teilen:

» … der Mensch "hat" einen Charakter - aber er "ist" eine Person. Wir können noch hinzusetzen: Als Person die er ist, hat der Mensch Charakter - und diesem Charakter gegenüber Freiheit. Die Charakterlage ist daher auf keinen Fall das jeweils Entscheidende; letztlich entscheidend ist vielmehr immer die Stellungnahme der Person. "In letzter Instanz" entscheidet somit die (geistige) Person über den seelischen Charakter, und in diesem Sinne lässt sich sagen: Zuletzt entscheidet der Mensch über sich selbst. « (4)

Im Fachjargon meiner Zunft sprechen wir in diesem Zusammenhang von der „internalen Kontrollüberzeugung“ (IK) (5).
Heute gibt es viele Hinweise darauf, dass diese IK sogar gesundheitsfördernd wirken kann. So zeigen Studien unter anderem weniger psychische Krankheiten bei medizinischem Personal (6) und Feuerwehrleuten (7) mit hoher IK. Selbst bei der Verarbeitung von sexualisierter Gewalt konnte die internale Kontrollüberzeugung als begünstigender Faktor nachgewiesen werden. (8)

Herzliche Grüße, Leuhton

Fußnoten
  1. vgl.: Petersmann, Hubert. „Lustrum: Etymologie und Volksbrauch“. In: Würzburger Jahrbücher für die Alterturmswissenschaft, Bd. 9. (1983) 2015
  2. Pargament, Kenneth Ira. Spiritually Integrated Psychotherapy: Understanding and Addressing the Sacred. New York; London: Guilford Press, 2011.
  3. Schweitzer, Albert: Verfall und Wiederaufbau der Kultur. 12., unveränd. Aufl., München: Beck, 1955. S. 58
  4. Frankl, Viktor E.: Der unbedingte Mensch, metaklinische Vorlesungen; Wien, 1. Aufl1949 bzw. 2. Aufl. 1975
  5. internale Kontrollüberzeugung = „Ich habe die Auffassung, dass ich das Leben aktiv gestalten und beeinflussen kann.“
  6. Gillespie, B. M., Chaboyer, W., Wallis, M., Grimbeek, P.: Resilience in the operating room: Developing and testing of a resilience model. Journal of Advanced Nursing, 59 (4), 427–438.2007
  7. Regehr, C., Hill, J., Glancy, G. D.: Individual predictors of traumatic reactions in firefighters. Journal of Nervous & Mental Disease, 188 (6), 333–339. 2000
  8. Frazier, P., Steward, J., Mortensen, H.: Perceived control and adjustment to trauma: A comparison across events. Journal of Social and Clinical Psychology, 23 (3), 303–324. 2004

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